Wie erreiche ich meine Leser?

Diese Frage wird immer wieder an mich herangetragen, und ich muss gestehen, dass ich sie mir selbst kaum je so gestellt habe. Meine Herangehensweise ist eine andere, die, wenn ich sie mit Hilfe von Fragezeichen ausdrücke, so klingt:
Wie fasziniere, begeistere, packe ich Leser? Wie kann ich dem Leser etwas geben? Etwas, das er nie vergisst?
Es sollte so sein, dass er meine Bücher zum zweiten oder dritten Mal lesen möchte. Dass er sofort mittendrin in einer – seiner Welt manchmal fremden – Geschichte ist. Dass er nicht nur liest, sondern schmeckt und riecht und fühlt dabei. Dass er hin und wieder sogar Denkanstößen folgt, die bislang außerhalb seines Horizontes lagen.
Immer wieder haben Rückmeldungen vieler meiner Leser mir gezeigt, dass diese Fragestellung genau die ist, die mir meinen Weg sinnvoll erscheinen lässt. Und die bereits zu ersten bestätigenden Antworten geführt hat.
Ich möchte nicht zurückbleiben hinter einem Franz Werfel, einem Stefan Zweig, einem Dostojewski oder Hesse. Da sich der Publikumsgeschmack seit den Tagen jener Koryphäen erheblich gewandelt hat (80% der heutigen Bücherkäufer und -leser kennen diese Namen gar nicht mehr!), ist das beileibe kein Größenwahn, sondern eine Wanderung auf schmalem Grat, immer am Rand eines Abgrunds.
Vielleicht sollte ich unter diesen Umständen besser behaupten, auch hinter einer Mrs. Rowling nicht zurückbleiben zu wollen. Womit ich nicht einmal ihre Verkaufszahlen meine, sondern wirklich und wahrhaftig das, was ich den Lesern, wie erwähnt, geben möchte.
Das ist und bleibt mein Maßstab, einer Welt zum Trotz, die statt neugierigen, erfahrungshungrigen und begeisterungsfähigen Menschen immer mehr Zombies hervorbringt, Nebelgestalten, deren Miniuniversum zwischen dem Hamsterrad ihres Arbeits- und Terminealltags und auswegloser Smartphone-Abhängigkeit hin und her wabert. Wer sich darin verloren hat, dem kann niemand etwas geben. Für den sind Bücher, gute Bücher zumal, Belästigung. Schlafende machen Pause vom Leben.
Wenn ich mit dem, was ich schreibe, einen ernsthaft Neugierigen oder Suchenden nicht packen, ihn nicht hineinnehmen kann in eine Überraschung, in ein Aha-Erlebnis, sollte ich geduldig weiter nach meinem wahren Talent suchen.
Das ist meine Einstellung zum Schreiben. Ganz möchte ich es tun, hundertprozentig. Ob die Bücher sich nun schnell oder langsam verkaufen.
Denn das Vermarkten ist ein anderes – erstaunlich ausbaufähiges! – Talent, das ich an dieser Stelle nicht weiter thematisieren möchte. Selbst die Beatles haben einen Manager gebraucht, und ohne entsprechenden Verleger wäre die Kunde von Harry Potter und Hogwarts bis heute vielleicht noch nicht einmal bis in die Mitte Europas vorgedrungen.
Kann man denn lernen, so zu schreiben, dass es Leser voll mitreißt, schon nach den ersten drei Zeilen?
Bestimmt kann man das. Nur bin ich nicht derjenige, der auf eine solche Frage eine ausgewogene und hilfreiche Antwort geben kann. Denn ich glaube, man muss selbst so SEIN.

A. H. Buchwald (Februar 2019, bearb. Juni 2019)

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