Roland Tappeiner, 36 TAGE (Rezension v. Andreas H. Buchwald)

Der Titel gemahnt nicht sofort an den berühmten Jakobsweg, obwohl das Foto, das den langgezogenen Schattenwurf des Autors über ein Getreidefeld zeigt, es bereits könnte. Der typische Hut, der Pilgerstab… Man muss schon genau hinschauen. Auf dem inneren Titelblatt entdeckt der Leser den Zusatz „Eine Strategie, den Krebs zu besiegen“, und damit wird nun ein ungewöhnlicher Ansatz eingeleitet. Es geht nämlich um die 36 Tage einer Strahlen- und Chemotherapie, die Roland Tappeiner offensichtlich nur deshalb einigermaßen gut durchstehen konnte, indem er sich an jedem einzelnen Tag dieser Folter (denn das ist sie wohl, seiner Beschreibung nach) innerlich auf den Jakobsweg versetzte, für den er ebenfalls genau 36 Tage gebraucht hatte. Eine bemerkenswerte, nicht alltägliche und teilweise erschütternde Gegenüberstellung, über die der Autor im weiteren hinausgeht, denn er meint, er habe einesteils mit seinem Pilgerweg, im weiteren dann mit seiner Wanderung über den Salcantaypass in den Anden (bei der die Aussage eines Schamanen eine entscheidende Rolle spielte) den Krebs besiegt. Er sei der Krankheit förmlich davongelaufen, zumal das Leben ihm immer neue Abenteuer schenke. – Obwohl Roland Tappeiner zu Anfang die Bemerkung macht, dass ihm das Schreiben nicht unbedingt liege, ist ihm mit dem kleinen, eindringlichen Büchlein – trotz oder gerade wegen seines tatsächlich recht einfachen Stils – eine Jakobsweg-Beschreibung gelungen, die ihre Leser gefühlsmäßig ergreift und stark hineinnimmt. Ein motivierendes Pilgerabenteuer mit einer einzigartigen Parallele und dem Mut, die eigene Erkrankung ungeschönt anzusehen.

Edition scribere & legere · ISBN 978-3-942469-75-3 · 132 S.

 

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