Lesekreis VOX LIBRI am 27. März 2019

Lesekreis VOX LIBRI am 27. März 2019

Unter der Leitung von Matthias Wieser, Kulturinstitut scribere et legere, traf sich um 18.00 Uhr eine kleine, aber feine Runde im Seminarraum des VOX LIBRI zum Thema: „Eines meiner Lieblingsbücher“. Sowohl Mitglieder des Lesekreises als auch einige Gäste warteten darauf, an diesem Abend drei Lieblingsbücher näher kennenzulernen. Nach der Vorstellung der jeweiligen Bücher gab es Zeit für Nachfragen und Diskussionen.

Brigitte Sokop stellte ein Werk des Schriftstellers und Theaterkritikers Hans Weigel vor: „Der grüne Stern“. Zuerst wurde den interessierten Zuhörern etwas über die Geschichte und den Inhalt des Buches erzählt, um die gelesenen Textstellen besser zu verstehen.

Der mittlerweile vergriffene utopische Roman wurde nach Weigels Exilnahme im Jahr 1938 in der Schweiz verfasst. Neben einer kompakten Inhaltsangabe bekamen die Zuhörer kurze Text-Kostproben zu hören, wobei Brigitte Sokop darauf verwies, dass ihrer Meinung nach die in späteren Jahren erreichte hohe Sprachqualität des Autors in seinem Erstlingswerk noch zu vermissen sei. Hans Weigel lässt in seiner Faschismus-Satire „Vegetarier“ an die Macht kommen. Der heimat- und arbeitslose Protagonist Gottfried Hofer übernimmt Schritt für Schritt die Führung des Staates “Meinland“. Hofers Hetzreden gegen Fleischkonsum und gegen mit dem Produkt Fleisch arbeitende Berufsgruppen münden in tätlichen Angriffen. Sogar Hofer selbst zeigt sich erstaunt über die Wirkung seines „vegetarischen Geschwätzes“. Vegetarismus wird zur Staatsreligion hochstilisiert. Als besondere Ironie lässt der Autor seine Hauptfigur Hofer an den Folgen heimlichen Fleischkonsums sterben.
Bei der anschließenden Diskussion kam man zum Schluss, dass der Roman „Der Grüne Stern“, auch noch knapp 80 Jahre nach dessen Entstehung, in vielen Staaten von geradezu beklemmend wirklichkeitsnaher Aktualität ist und auch sehr an das Buch „Die Welle“ erinnert.

Annemarie Rieder präsentierte in brillanter Weise Christine Nöstlingers Gedichtband „Iba de gaunz oamen Leit“.

Den roten Faden bildete ein Radiointerview, welches Christine Nöstlinger 1972 gegeben hat. Konserviert und erhalten in der Mediathek.at, ist hierin viel über die Kindheit der Autorin zu erfahren. Dass sie zum Beispiel bereits mit vier Jahren gerne Menschen beobachtete und sich sehr gut alleine zu unterhalten wusste. Garniert von den liebevoll-herzlichen Dialektgedichten begleitete die VOX LIBRI-Runde die Autorin durch ihre Kindheit und Jugendzeit, um auf diese Weise einiges über „iba de gaunz oamen Kinda“, „iba de gaunz oamen Frauen“ und last but not least „iba de gaunz oamen Mauna“ zu erfahren. Herzlich-humorvoll in Gedichtform gebracht durch Christine Nöstlinger.
Ihre bescheidene Feststellung, dass jeder „so a Biachl“ (hier bezogen auf die „Feuerrote Friederike“) schreiben könne, der sich eben an seine Kindheit erinnern könne, bildete die Grundlage zu einer kurzen Diskussion zum Thema Schreiben.

Werner Sokop widmete sich ausführlich dem Leben und krankheitsbedingten Schicksal des Lyrikers Nikolaus Lenau. Er präsentierte die fantastische Gedichtsammlung „Blick in den Strom“. Neben wunderbaren Gedichten wie „Die drei Indianer“ oder „An die Entfernte“, die für Sophie von Löwenthal, mit der er eine rein seelische Beziehung führte, geschrieben wurden, befinden sich auch Gedichte wie „Der Postillon“, die Frühlingsstimmung auf traurigere Art übermitteln, oder „Blick in den Strom“, das das letzte Gedicht war und 1844 verfasst wurde, in dieser Sammlung. Jedoch lenkte sich der Hauptfokus auf das Leben des Autors, vor allem auf die späteren Jahre, über die uns von Herrn Sokop einige interessante Anekdoten, wie zum Beispiel über die etwas sonderbare Beziehung zu seiner Violine erzählt wurde. Geschichten wie diese sind es, die die Gedichte erst richtig spannend und dieses Buch auch zu einem der vielen Lieblingsbücher machen.

Die Zuhörer kamen ebenfalls in den Genuss einige Auszüge aus dessen privater Korrespondenz zu hören. Auch bei dieser Vorstellung eines Lieblingswerks bzw. eines Lieblingsautors gab es eine kurze Diskussions-Schlussrunde.

Man darf sich auf die weiteren Treffen freuen. Die nächste Lesekreis VOX LIBRI findet am 24. April 2019 statt. Am Programm steht eine bilinguale Lesung:  Persisch/Deutsch.

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