Doris Cipek, TOYBOY (Rezension v. Andreas H. Buchwald)

 

Es erscheint mir ein wenig schwierig, dieses Buch in seiner Gesamtheit zu rezensieren, da es nicht nur viele verschiedene Genres enthält, sondern auch sehr unterschiedliche Themen in den Fokus nimmt. Die einzelnen Texte – ob nun gedichtet oder in Prosa – gehen wiederum auf Entstehungszeiten zurück, die sich ebenso stark unterscheiden. Insgesamt erkennbar ist, dass die Autorin das Handwerk des Schreibens recht gut beherrscht, in der Wahl ihrer Sujets (Büroalltag, Intrigen von Kollegen u. ä.) allerdings eher bitter und heikel daherkommt. Eine bemerkenswerte Ausnahme stellt die Titelgeschichte dar, eine sofort authentisch wirkende Schilderung der Kamerunreise einer Österreicherin. Diese Reise – mehr oder weniger als „Urlaub“ getarnt – dient vor allem dem Treffen mit dem jungen, dunkelhäutigen Liebhaber jener Frau. Obwohl einigermaßen knapp beschrieben, ersteht vor dem Leser dennoch eine exotische Welt, die keinerlei Klischees allgemeiner europäischer Afrikavorstellungen bedient, sondern tatsächliche Zusammenhänge und kulturelle Missverständnisse ungeschminkt beschreibt. Dass es eine von Konventionen umgebene und eingeengte Frau nicht wenig Mut kostet, offen zu ihrem „Doppelleben“ – ein nicht ganz passender Ausdruck, aber ein besserer ist mir vorläufig nicht zugänglich – zu stehen, braucht hier nicht näher erläutert zu werden, zumal die Erzählung auch dazu etwas zu sagen weiß.

Edition scribere & legere · ISBN 978-3-942469-72-2 · 100 S.

Exklusiv erhältlich in der Buchhandlung Bookpoint, Kalvarienberggasse 30, 1170 Wien.

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