Die ISBN – was hat sie zu bedeuten?

Zunächst einmal erheblich weniger als die meisten Leute denken. Sie ist eine Zuordnungsnummer, kaum mehr. In Deutschland dient sie hauptsächlich der Übersicht – und wohl auch der Kontrolle – über sämtliche Publikationen. Was ohne ISBN erscheint, wird nicht erfasst. Und was nicht erfasst wird, gelangt im Normalfall auch nicht in den Buchhandel, bleibt also, grob betrachtet, der Öffentlichkeit verborgen.

Eine Hochzeitszeitung beispielsweise braucht keine ISBN, weil sie nur für ein ausgewähltes Leserpublikum bestimmt ist. Ein Autor, der weiß, wie er seine Leser beziehungsweise Zielgruppe(n) erreicht, der zudem auf eher unkonventionellen Wegen selbst verkauft, braucht ebenfalls keine ISBN. Die Verbreitung seines Werkes oder seiner Werke bleibt dabei auf besagte Zielgruppe beschränkt und wirkt kaum je darüber hinaus. Für Buchhandlungen ist er nicht wirklich interessant, und sie würden in diesem Fall von vornherein nicht beim Vertrieb helfen. Sie haben ihre eigenen Regeln.

99% der potenziellen Leser allerdings lassen sich von einer ISBN beeindrucken. Für sie enthält sie den Anschein von Seriosität, von einer „sauberen“ Herausgabe. Und somit bildet sie auch eine hintergründige Verkaufsunterstützung für Selfpublisher. Obwohl jeder, der sich ein wenig auskennt, eine Verlags-ISBN von einer reinen Selfpublisher-ISBN unterscheiden kann.

Wer sein Buch aber ganz und gar in den Buchhandel bringen möchte, hat ohne ISBN – Verlags-ISBN! – kaum eine Chance. (Tante-Emma-Läden lassen nach meinen Erfahrungen indessen so gut wie immer mit sich reden.) In diesem Fall sollte die Nummer mit einem Barcode (und somit auch einem Festpreis) verbunden und im VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher) angemeldet werden. Die Auffindungs- und Verkaufschance eines solchen Buches wird dennoch dadurch kaum erhöht, denn jeder Buchhändler, der dieses Verzeichnis zur Suche bestimmter Titel nutzt, muss dafür einen monatlichen Betrag entrichten. (So ist es zumindest in Deutschland.) Ein Händler, der Mitglied des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ist und das Barsortiment (den Großhandel) für die Suche seiner Titel nutzt, hat diese Möglichkeit bereits durch die Entrichtung des Vereinsbeitrages, sonst hätte sie ebenfalls ihren Preis. Die großen Buchhandelsketten agieren nur auf diese Weise.

Bewegliche Buchhändler – meistens kleine, private Einrichtungen – finden bestimmte Titel durch einfache Google-Suche im Netz, entweder weil der Kunde den Verlag bereits nennen kann oder weil sie in der mittleren sechsstelligen Zahlengruppe der ISBN den Verlag herauslesen. Meistens bestellen sie dann auch direkt beim Verlag. Einspurige Buchhändler, die gewöhnlich nur im Großhandel bestellen, behaupten, es gebe den gesuchten Titel nicht. ISBN hin, ISBN her.

Die Deutsche Nationalbibliothek und die einzelnen Landesbibliotheken hingegen nutzen das Verzeichnis lieferbarer Bücher und mahnen die Zusendung von Gratisexemplaren an, sobald einige Wochen nach einer solchen Anmeldung verstrichen sind. Die Verkaufsbedingungen sind für sie ansonsten nicht interessant. Ein nicht angemeldetes Werk wird von ihnen nicht wahrgenommen.

Unter diesen Umständen ist es schwer, Neueinsteigern, die ein erstes Buch ohne Riesenverlag veröffentlichen, einen Rat zu geben. Um den Verkauf anzukurbeln, nützt auch eine ISBN mit Barcode wenig, solange man nicht auf die Unterstützung weitreichender und allgemein anerkannter Medien zurückgreifen kann. Wer über Geduld, Mut und Findigkeit verfügt, lässt die Sache allmählich wachsen und geht eigene Wege, ohne von einem „Schmuckelement“, wie es die ISBN-Nummer ist, Wunder zu erwarten.

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